Die Schülerinnen der Schönstätter Marienschule arbeiten bei ihrem Besuch im Kreisarchiv mit Quellen zum Thema Industrialisierung. Foto: Alexandra Hey
Gruppenarbeit
Bildquellen sind ein wichtiges Element beim Archivmodul. Foto: Alexandra Hey
Bildquellen
Ein wichtiges Utensil: Archivhandschuhe. Foto: Alexandra Hey
Archivhandschuhe

„Zurück zu den Quellen“

Renate Volks-Kuhlmann│03.03.2016

„Zurück zu den Quellen“ – unter diesem Leitsatz besuchten die Schülerinnen der Klasse 9b der Schönstätter Marienschule jetzt das Kreisarchiv Borken. Gemeinsam mit ihrer Geschichtslehrerin Alexandra Hey informierten sie sich über die Aufgaben eines Archivs und über die Industrialisierung im Westmünsterland. Der Besuch fand im Rahmen einer Unterrichtsreihe statt. 

„Gedächtnis der Verwaltung“
Zunächst wurde ihnen das Archiv - das „Gedächtnis der Verwaltung“ - vorgestellt: In zahllosen Kartons, ordentlich beschriftet und mit Archivsignaturen versehen, befinden sich Akten, Urkunden, Pläne, Fotos, Karten, Gesetzesblätter und Zeitungen zur Geschichte und Landeskunde des Westmünsterlandes. Das Archivgut der ehemaligen Landkreise Ahaus und Borken wird in einer großen Rollregalanlage aufbewahrt. Besonders beeindruckt waren die Schülerinnen von einem Fotoalbum zur Grundsteinlegung und Gründung der Schönstätter Marienschule vor 60 Jahren. 

Aktive Auseinandersetzung mit den Quellen
Die jungen Gäste wurden nach dem Rundgang durchs Archiv selbst aktiv und informierten sich anhand ausgewählter Quellen darüber, wie die Industrialisierung hier vor Ort im Westmünsterland abgelaufen ist. In fünf Arbeitsgruppen bearbeiteten sie die Wohn- und Lebenssituation, die Ernährung und Versorgung mit Lebensmitteln, die Kinder- und Frauenarbeit, den Alltag von Unternehmern und Arbeitern sowie Firmenbeispiele aus Borken auf. Beispielsweise trugen die jungen Forscherinnen in einem alten Stadtplan die Standorte der Firmen Bierbaum, Büning, Fooke und Wülfing ein und überlegten, welche Kriterien für die Auswahl des Standortes - Eisenbahnanschluss, Bachläufe zur Be- und Entwässerung oder Straßenanschluss - entscheidend waren. 

Präsentation der Ergebnisse
Die Präsentation der Arbeitsergebnisse verlief nach der Methode "Eine bleibt". Dabei erklärt eine Schülerin als Expertin den anderen Gruppen das Thema ihrer eigenen Gruppe und wird am Ende vom Rest ihrer Gruppe über alle anderen Themen informiert. Die Qualität der Präsentationen war hoch. Die Schülerinnen konnten sehr gut Informationen aus den – bisweilen schwierig zu lesen und im Amtsdeutsch verfassten Quellen entnehmen, in den historischen Zusammenhang einordnen und auch mit der heutigen Situation vergleichen. So entnahmen die Schülerinnen der Preußischen Gewerbeordnung, die am 17. Januar 1845 vom preußischen König Friedrich Wilhelm in Berlin erlassen wurde, welche Pflichten ein Lehrling hatte und dass ein normaler Arbeitstag 10 Stunden dauerte. Das Urteil einer Schülerin, „dass Geschichtsunterricht so auch spannend und nicht so langweilig wie immer aus dem Geschichtebuch“ sein kann, freute die Archivarin besonders.

Die Archivmodule
Das Archivmodul „Industrialisierung im Westmünsterland“ ist im Rahmen der Regionalen Archivwerkstatt Westmünsterland entstanden. Daneben gibt es noch zwei weitere Archivmodule („Der Erste Weltkrieg im Westmünsterland“ und „Woher wissen wir was
war? – Eine Einführung in die Quellen- und Archivarbeit“).

Ziel ist es, den manchmal sehr abstrakten und von der eigenen Identität der Schülerinnen und Schüler entfernten Unterricht auf die regionale Ebene herunter zu brechen und anhand von Beispielen aus der unmittelbaren Umgebung Geschichte erkennbar, erlebbar und vor allem nachvollziehbar zu gestalten. Entwickelt wurden die Module durch ein Netzwerk, bestehend aus Akteurinnen und Akteuren aus Archiven, aus Schulen, dem Landeskundlichen Institut Westmünsterland, dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Bocholt und dem Kompetenzteam für Lehrerfortbildung im Kreis Borken. 

Die im Rahmen der Regionalen Archivwerkstatt entwickelten Archivmodule sollen auch im „kult“ thematisch weiter ausgebaut und gepflegt werden.


Renate Volks-Kuhlmann ist die Archivarin des Kreises Borken und führt regelmäßig Unterrichtsreihen mit Schulklassen durch. Das Kreisarchiv und die Schönstätter Marienschule verbindet bereits seit fast 4 Jahren eine feste Bildungspartnerschaft.

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