Wahlplakat der Zentrumspartei vom April 1947
Wahlplakat Zentrumspartei, 1947
Denkt ihr dabei auch an mich? , Wahlbrorschüre der CDU von 1965
Wahlbrorschüre der CDU, 1965
Unser Leben heute und Morgen, Wahlbroschüre der CDU von 1965
Wahlbroschüre der CDU, 1965
Ihr Kandidat Hermann Buschfort: Männer, die wir brauchen. Jetzt SPD!, Wahlbroschüre der SPD von 1969
Wahlbroschüre der SPD, 1969
Karikatur zur Wahlwerbung der FDP von 1965
Wahlwerbung der FDP, 1965
Wahlaufruf der Partei Die Grünen von 1980
Wahlaufruf der Partei Die Grünen, 1980

„Kostbare Stimme“ - Wahlwerbung gestern und heute

Renate Volks-Kuhlmann ǀ 09.09.2015

In 36 Münsterland-Gemeinden werden am 13. September 2015 neue Bürgermeister und Bürgermeisterinnen gewählt. Die Kandidaten machen in diesen Tagen mit Plakaten, Programmen, Wahlständen, eigenen Homepages und Facebook-Seiten auf sich aufmerksam. Diese Wahlwerbung ist aber auch für das Archiv des Kreises Borken von bleibender Bedeutung: Als Dokumentationszentrum und Bildungseinrichtung versucht das Archiv das politische und gesellschaftliche Leben im Westmünsterland zu dokumentieren. Die Wahl der kommunalpolitischen Vertretungen und besonders die direkte Wahl der Bürgermeister und Landräte seit 1999 wird vor Ort in den verschiedenen Gruppen, Familien, Schulen, Stammtischen, Parteien, Vereinen oder auf Podiumsdiskussionen häufig heftig diskutiert. der besondere Reiz der Kommunalwahlen  - den Kandidaten und die örtlichen Verhältnisse zu kennen -  erhöhen das Interesse für die Wahl und die Wahlprogrammen.

Ein Blick in die Vergangenheit
Diese Faszination zeigt sich auch bei einem Blick in die Zeitgeschichtliche Sammlung des Archives. Bei der ersten Kreistagswahl nach dem Zweiten Weltkrieg am 13. Oktober 1946 gab es aufgrund von Papierknappheit und Beschränkung von Auflage, Umfang und Zensur der Tageszeitungen durch die britische Militärregierung kaum Möglichkeiten für die Parteien, sich öffentlichkeitswirksam darzustellen. Die Wahlen wurden von der britischen Militärregierung angeordnet. 

Das älteste im Kreisarchiv Borken erhaltene Parteiplakat ist von der Zentrumspartei Borken aus dem Jahr 1947. Die Zentrumspartei spricht sich gegen den Wiederaufbau des kriegszerstörten Borkener Kreishauses aus, solange in Borken nicht ausreichend Wohnungen und Schulen errichtet worden sind. Außerdem ist sie für die Wiedereinsetzung des von den Briten im April 1945 entlassenen früheren Borkener Landrats Dr. Peter Cremerius.

Neue Sprache – neues Layout
Die Wahlaufrufe aus den 1960er und 1970er Jahren zeigen ein schlichtes Layout und  sind überwiegend schwarz-weiß gestaltet, jedoch wird mit markigen Sprüchen und direkten Angriffen auf den politischen Gegner die Aufmerksamkeit erregt. So fordert der Kandidat des Bundestagswahlkreises Ahaus-Bocholt-Borken im September 1965 die Wähler auf „Wählen Sie richtig! Geben Sie nicht dem Geschwätz nach, lasst auch mal andere dran. Jetzt ein Kurswechsel? Nun mal was anderes probieren? Ausgerechnet nach 16 Jahren beispielloser Erfolge und Fortschritte? Das können wir uns nicht leisten. Es ist zu teuer zu wechseln. Wir können uns Sozialismus einfach nicht leisten“. Gleichzeitig wirbt Theodor Blank, der von 1949 bis 1972 stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Ahaus-Bocholt-Borken in den Bundestag einzog, unter dem Motto „Wir haben viel erreicht“ mit den Wiederaufbauleistungen im Schul-, Straßen- und Wohnungsbau und den gesicherten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen.

Sein Gegenkandidat von der SPD Hermann Buschfort kann das Direktmandat nicht erringen, zieht jedoch über die Landesliste in den Bundestag nach Bonn ein. Beim nächsten Bundestagswahlkampf 1969 kontert er selbstbewusst „ Hermann Buschfort MdB – er braucht sich nicht erst vorzustellen. Bei uns kennt man ihn.  Da weiß man, daß er für jeden seiner Mitbürger Zeit hat, …“. Über Gleichstellung von Mann und Frau ist bei dem Wahlslogan „Männer, die wir brauchen. Jetzt SPD“ in den Parteizentralen wohl noch nicht nachgedacht worden.

Bewegung in die Parteienlandschaft bringt die Partei „die Grünen“, die seit 1984 im Borkener Kreistag vertreten ist. Auch im Wahlkampf werden neue Wege beschritten, indem Sonnenblumen verteilt werden, oder mit schockierenden Plakaten auf die Umweltzerstörung aufmerksam gemacht wird.

Stärkere Personalisierung des Wahlkampfs
Mit der Einführung der neuen Gemeindeordnung 1999 und der damit verbundenen Direktwahl des Landrats oder Bürgermeisters kommt es zu einer stärkeren Personalisierung des Wahlkampfs. Die Kandidaten treffen direkt aufeinander und tauschen in örtlichen „Talkshows“ ihre Standpunkte aus. Informationen über die Kandidaten und ihre Programme können die Wähler und Wählerinnen jetzt auch schnell und umfassend aus dem Internet und der Homepage ihrer Bürgermeisterkandidaten bekommen.

Das Kreisarchiv wird aufgrund der gebotenen Neutralität keine aktuelle Wahlwerbung zeigen. Das Archiv ist jedoch an einer Ergänzung seiner Sammlung interessiert. Wahlplakate und Flugschriften nimmt das Archiv gern entgegen (Kreisarchiv Borken Tel. 02861/822909 oder kreisarchiv(at)borken.de.


Für Kreisarchivarin Renate Volks-Kuhlmann ist das Sammeln von Wahlwerbung besonders zu Dokumentations- und Bildungszwecken von Bedeutung. Aus diesem Grund ist sie an der
Erweiterung der Sammlung historischer Wahlplakate interessiert.

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