Geschichte in Kartons gepackt

Mit vereinten Kräften werden die großen Exponate aus dem Hamaland-Museum transportiert. Foto: Lisa Kannenbrock, Kreis Borken
Mit vereinten Kräften werden die großen Exponate aus dem Hamaland-Museum transportiert.
Exponate werden mit Folie geschützt: Hier ein alter Webstuhl. Foto: Lisa Kannenbrock, Kreis Borken
Exponate werden mit Folie geschützt: Hier ein alter Webstuhl.
Im Außenlager angekommen: Hier verbleiben die Exponate bis sie in der neuen Dauerausstellung des Kulturhistorischen Zentrums neu in Szene gesetzt werden. Foto: Lisa Kannenbrock, Kreis Borken
Im Außenlager angekommen: Hier verbleiben die Exponate bis sie in der neuen Dauerausstellung des Kulturhistorischen Zentrums neu in Szene gesetzt werden.
Marlene Volkmann ǀ 05.01.2015

Wie zieht ein Museum um? Wie verpackt man all die kleinen und großen Gegenstände? Und wie findet man  später alles wieder? Antworten auf all diese Fragen müssen zurzeit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hamaland-Museums in Vreden finden.  Denn bis Ende Januar soll das Gebäude geräumt sein. Dann übernehmen am Butenwall 4 endgültig die Bauleute das Sagen. Bis Ende 2016 entsteht am Standort des Museums das Kulturhistorische Zentrum Westmünsterland.

„Alle Schränke und Vitrinen müssen komplett ausgeräumt werden“, erklärt Hausmeister Detlef Schmäing. Und das gilt für alle Lagerräume. Jeder einzelne Gegenstand wird erfasst und verpackt, was im Detail sehr aufwändig ist. Die Stücke werden gewogen, vermessen und mit der Inventarnummer fotografiert. Erst wenn das Foto im Kasten ist, sind Zierteller und Co. fertig zum Verpacken. Zunächst werden sie in säurefreies Seidenpapier oder sogenannte Bäckerseide eingeschlagen und anschließend in Luftpolsterfolie gehüllt. Dann warten sie auf die nächste Tour ins Außenlager.

Computer statt Zettelkasten

Parallel zum Umzug wird das Inventar des Museum digital aufgenommen, d. h. was früher der Karteikasten war, ist heute der Computer. Zum Einsatz kommt ein Inventarisierungsprogramm, das bis zu 126 Aspekte über einen Gegenstand abfragt. Damit keine Verwechslungen auftreten, werden bei der Beschreibung festgelegte Begriffe verwendet. Zudem kommt es darauf an, möglichst genau zu erfassen, aus welcher Zeit ein Gegenstand kommt.

Ein Ziel sei es die Geschichte der Exponate zu rekonstruieren, erklärt Museumsleiterin  Dr. Annette Menke. „Probleme kann es geben, wenn die Beschreibung des Objektes nicht ganz eindeutig ist“, erläutert sie. Wenn die Zusammenhänge nicht klar sind, „ist es jetzt lustiges Geschichte raten“, scherzt Menke. Bei einem Holzgiebel kommt die Frage auf, hält Herr Schmäing gerade das Original oder die Kopie in der Hand?

Wert liegt im Auge des Betrachters

Die Umzugsverantwortlichen kategorisieren die Gegenstände nach Sachgruppen, nicht nach dem Wert. „Uns ist wichtig, wie die Objekte in der Vergangenheit genutzt wurden und ob sie miteinander in Verbindung standen, und nicht, den Geldwert zu ermitteln“, erklärt Menke. Denn der Wert eines Objektes wird von Besitzer zu Besitzer ganz unterschiedlich gewesen sein: Eine Kaffeetasse sei für einen armen Bauern vielleicht kostbar gewesen, für den reichen Fabrikanten aber nur ein normaler Gebrauchsgegenstand.
Im Außenlager, in dem das Team auch für die Zeit der Bauarbeiten seine Büros beziehen wird, gehen die Arbeiten ab 2015 weiter.

 

Marlene Volkmann hat im Herbst/Winter 2014 ein Praktikum in der Pressestelle des Kreises Borken absolviert und dabei auch einen Einblick in die Umzugsarbeiten im Hamaland-Museum bekommen.

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