Handreliquiar, Kupfer, vergoldet, Bergkristall, Ende 14. Jahrhundert.
Foto: Heiko von Ditfurth, Münster.
Handreliquiar
Hl. Sebastian, 1627 / 1628, Sandstein, Gerhard Gröninger, Münster.
Foto: Kreis Borken.
Hl. Sebastian
Pfennig, Silber, Gräfin Adela von Elten, gest. 1018.
Foto: Bistum Münster.
Pfennig

Die neue Dauerausstellung im kult
Themeninsel 8 - Immunitätsgrenze

Annette Menke│18.11.2016

Das berühmte Vreden
Was heute eher kleinstädtisch und wenig bedeutend daherkommt, war in der Zeit um die vorletzte Jahrtausendwende ein wichtiger Ort auf der Karte des Reiches. Erwähnt 839 in den Xantener Annalen, Begräbnisort des Grafen Walbert und 190 Jahre später auch des Grafen Wichmann, avancierte Vreden 1024 zum politischen Hotspot: Der neu gewählte König Konrad II. wurde auf seinem Königsumritt von den Äbtissinnen Adelheid von Vreden und Sophia von Essen, Töchtern Kaiser Ottos II. und Schwestern des verstorbenen Kaisers Otto III. im "Frethenna praeclara" (im berühmten Vreden) herzlich empfangen.

High Society
Damit ist klar, gemeint ist nicht die Siedlung Vreden, gemeint sind nicht die Bauern und Handwerker, die hier im Westen des Reiches mehr schlecht als recht ihr Dasein fristeten. Berühmt war das reichsunmittelbare adelige Damenstift, das zur Gruppe der frühen monastischen Gründungen des sächsischen Adels gehörte. Die Stiftsdamen, Kanoniker, Inhaber verschiedenster Ämter und Bedienstete, lebten hier im abgegrenzten Bereich der Immunität. An den Grenzen dieses Areals um Kirche, Abtei und Kurien endeten städtisches Recht und Steuerhoheit – hier regierten nahezu eintausend Jahre lang Äbtissinnen aus höchsten Adelskreisen.

Kult
In der Dauerausstellung des kult präsentiert sich das Damenstift mit all seinen Aspekten als großartiges und  aussagefähiges „Grenz-Objekt“, diente seine Gründung doch der Sicherung christianisierter Gebiete und der Stärkung des sächsischen Adels in seinem neuen christlichen Selbstverständnis. In sechs Schwerpunktbereichen werden Leben und Glaubensausübung im Stift erläutert, werden die Grenzen zwischen Immunität und Umfeld, zwischen Hochadel und Bürgertum, zwischen Kultus und Profanität ausgelotet. Der Ort – Die Architektur – Der Alltag – Der Dienst – Der Kult – Die Auflösung lauten die Überschriften der Ausstellungsinseln. Alltagsgut und goldene Pracht erlauben einen Blick auf das Leben im einst berühmten Damenstift von Vreden – auf dessen Grenze heute die Einrichtung des kult die Brücke ins Zukunftsland der Regionale 2016 schlägt.

Dr. Annette Menke ist im kult für den musealen Bereich verantwortlich.

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