Tabaksdose aus Messing – für die Inventarisierung im Magazin ist auch die Objektnummer sehr wichtig. Foto: Kreis Borken
Tabaksdose aus Messing
Umzeichnung zum Errechnen der Schiffsgeschwindigkeit.
Umzeichnung zum Errechnen der Schiffsgeschwindigkeit.

Praktisch & nützlich für die Hosentasche …

Corinna Endlich ǀ 28.05.2015

… und noch dazu hübsch anzusehen, ist die Tabaksdose aus Messing und Kupfer aus dem Jahr 1756. Während Raucher heute gern ihren losen Tabak im Lederbeutel verpackt bei sich tragen, wurden in der Vergangenheit metallene Dosen genutzt – bevorzugt von Seeleuten. Das machte ja auch Sinn, denn so wurde „der gute Stoff“ vor Feuchtigkeit geschützt.

Messingdose mit besonderen Eigenschaften
Doch, es ging nicht nur um den praktischen Nutzen, wie das Objekt des Monats zeigt. Es steckt weit mehr Detail in jedem einzelnen Exponat:
In vielen volkskundlichen Sammlungen finden sich solche Stücke; reich verziert, schlicht und einfach gestaltet oder mit besonderen Eigenschaften. Die Messingdose, die zukünftig in der Dauerausstellung des Kulturhistorischen Zentrums zu sehen sein wird, besitzt für die Forschung zahlreiche Informationen. Die Inschrift trägt den Namen Pieter Holm. Dieser verkaufte in seiner nautischen Schule Regt Tür Zee in Amsterdam genau jene Seemannstabaksdosen. Mit der Angabe von Kalender und Tabellen war es den Seglern möglich, Wochentag und den Stand des Mondes, d. h. das Mondalter, zu ermitteln. Für die Seefahrt waren diese Angaben sehr wichtig, da die Gezeiten – also Hoch- und Niedrigwasser – vom Stand der Gestirne Sonne und Mond bestimmt werden. Mit der zweiten Tabelle konnte die Geschwindigkeit, mit der das Schiff unterwegs war, grob geschätzt werden; gerechnet wurde im 18. Jahrhundert in nautischen Meilen: eine Seemeile entspricht einem Knoten und das wiederum sind 1,852 km.

Besitzer unbekannt
Ungewiss ist, wem diese Dose einmal gehörte; darüber sind im Museum keine Details verzeichnet.
Wie gut aber Inschriften und Kalender lesbar sind, dass können unsere Gäste ab Dezember 2016 im Kulturhistorischen Zentrum in Vreden erfahren.

Pieter Holm – „Lehrmeister der Seekunst“
Pieter Holm stammte übrigens gebürtig aus Schweden, lebte von 1669 bis 1776 und eröffnete 1737 seine Navigationsschule in Amsterdam. In vielen Schriften wird er auch als „Lehrmeister der Seekunst“ bezeichnet.


Corinna Endlich ist Leiterin des Kulturhistorischen Zentrums und erarbeitet zusammen mit ihrem Team das Konzept für die neue Dauerausstellung.

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