Die Synagoge in Winterswijk und die ehemalige jüdische Schule. Foto: Sixtina Harris
Synagoge und ehemalige jüdische Schule
Der geschlossene Thoraschrank in der Synagoge. Foto: Sixtina Harris
Thoraschrank in der Synagoge
Die nicht mehr ganz vollständige Thora wird zu Demonstrationszwecken verwendet. Foto: Eva Terbuyken
Thora
Das ehemalige Wohnhaus der Familie de Leeuw in der Stadt. Foto: Sixtina Harris
Das ehemalige Wohnhaus

Spurensuche in Winterswijk –
Auf den Spuren von Annie de Leeuw

Eva Terbuyken ǀ 22.07.2015

Wer das Buch „Und im Fenster der Himmel“ von Johanna Reiss gelesen hat weiß: Winterswijk ist Schauplatz ihrer Vergangenheit. In ihrem Buch schildert Johanna Reiss (damals Annie genannt) ihre Erlebnisse während der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Gemeinsam mit ihrer Schwester wurde sie von niederländischen Bauern versteckt. Der Kolle Kaal Förderverein e.V. bietet für Schulklassen, die das Buch im Unterricht gelesen haben, das pädagogische Programm „Spurensuche“ an. Dabei handelt es sich um einen Rundgang durch die niederländische Stadt Winterswijk zu einigen wichtigen Schauplätzen des Buches. Nehmen die Orte aus dem Buch real Gestalt an, ist das eine wichtige und eindrucksvolle Erfahrung für die Schülerinnen und Schüler.

Die Synagoge und das Interview
Ausgangspunkt der „Spurensuche“ ist die Synagoge in Winterswijk. Die Schulklassen werden zu Beginn in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine beginnt mit dem Film, die andere geht zuerst in die Synagoge. Hier folgt eine kleine Einführung in die Bräuche und Sitten eines jüdischen Gottesdienstes sowie in das Leben einer jüdischen Gemeinde. Die Schüler müssen ihren Hinterkopf vor dem Eintritt mit einer Kippa bedecken, bei den Schülerinnen ist keine Kopfbedeckung nötig.

Ben, der die Klasse vor Ort begleitet, erzählt vom Gottesdienst: Frauen und Männer sitzen getrennt, es gibt Gebote wie Verbote, das Wort Gottes wird in einer Heiligen Schrift, der Thora, aufgeschrieben – klingt alles recht vertraut, denken sich die Schülerinnen und Schüler. Oft befinden sich unter ihnen Muslime, Christen wie Konfessionslose. Sie erkennen Parallelen zwischen den drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam.

Der Film wird in einem Raum gezeigt, der damals der Unterrichtsraum der jüdischen Gemeinde war und in dem die jüdischen Kinder hebräisch lernten und Religionsunterricht hatten. Die originale Tafel steht noch heute dort. Der Film zeigt ein Interview mit Johanna Reiss, in dem sie über ihre Erfahrungen berichtet. Auch ihre Schwester Sini, Johann und Dientje werden in dem Haus in Usselo, in dem die Schwestern während des Krieges versteckt wurden, gezeigt. Alle sind glücklich beieinander zu sein. Es wird deutlich, wie sehr die Geschehnisse sie zusammen geschweißt haben. Eines ist jedoch in dem, Film nicht zu sehen: das Versteck im Schrank. „Wer weiß, wann man das Versteck nochmal braucht. Mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen Ausmaßen haben wir auch nicht gerechnet“, sagt Johann.

Der Rundgang durch Winterswijk
Mittlerweile haben die Schülerinnen und Schüler erfahren, wie nah sie der Geschichte sind und, dass wirklich alles passiert ist, was in diesem Buch steht. Die Geschichte nimmt Gestalt an. So geht es dann auf in die Stadt. Zunächst wird der Bahnhof angesteuert. Sixtina Harris, die diese Führungen seit fast 19 Jahren unternimmt, erklärt den Jugendlichen die Bedeutung dieses Bahnhofs. Von hier aus wurden zahlreiche Juden in das Durchgangslager Westerbork transportiert. Weiter geht es zum ehemaligen Haus der de Leeuws in der Stadt. Das steht noch genauso dort wie damals. Mittlerweile wohnt eine andere Familie in dem Haus. Danach führt der Weg durch die Einkaufsstraße zum Rathaus und zum Kriegerdenkmal aller aus Winterswijk lebenden Juden, die im Weltkrieg umgekommen sind. 90% von ihnen wurden in Konzentrationslagern getötet. Annie und Sini haben überlebt - dank der Oostervelds.

Eine sehr informative und interessante Art, den Schülerinnen und Schülern die Inhalte des Buches von Johanna Reiss näher zu bringen. Zu dem Buch „Und im Fenster der Himmel“ gibt es ein Study Pack. Dieses kann unter http://www.stichting-kolle-kaal.org/lehrmaterial.html bestellt werden. Interessierte Lehrkräfte finden hier weitere Informationen zu dem Programm „Spurensuche“.


Praktikantin Eva Terbuyken begleitete eine Schulklasse aus Recklinghausen bei der „Spurensuche“ in Winterswijk.

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