Der Töpferofen in der ehemaligen Dauerausstellung im Hamaland-Museum. Foto: Lisa Kannenbrock, Kreis Borken
Der Töpferofen in der ehemaligen Dauerausstellung im Hamaland-Museum.
Bau eines neuen Brennofens für die Töpferei Wilhelm Erning, Stadtlohn im Jahre 1942 durch den Bauunternehmer Josef Roth, Stadtlohn, in Elling, Wilhelm: Steinzeug aus Stadtlohn und Vreden. Vreden 1994, S. 337.
Bau eines neuen Brennofens für die Töpferei Wilhelm Erning, Stadtlohn im Jahre 1942 durch den Bauunternehmer Josef Roth, Stadtlohn, in Elling, Wilhelm: Steinzeug aus Stadtlohn und Vreden. Vreden 1994,  S.337
Experten am Werk: Bau eines Lehrgerüstes zur Unterstützung des Bogens. Foto: Martina Volmer, Kreis Borken
Experten am Werk: Bau eines Lehrgerüstes zur Unterstützung des Bogens.
Experten am Werk: Bau eines Lehrgerüstes zur Unterstützung des Bogens. Foto: Martina Volmer, Kreis Borken
Experten am Werk: Bau eines Lehrgerüstes zur Unterstützung des Bogens.
Ebene Transportbahn für den Gabelstapler: Um den Ofen-Boden erschütterungsfrei durch den Raum und auf die Ladefläche des Transportfahrzeugs zu befördern. Foto: Martina Volmer, Kreis Borken
Ebene Transportbahn für den Gabelstapler: Um den Ofen-Boden erschütterungsfrei durch den Raum und auf die Ladefläche des Transportfahrzeugs zu befördern.

Schweres Umzugsgut

Dr. Annette Menke ǀ 28.01.2015

Vom Tintentöpfchen bis zum Brunnen, vom Hufeisen bis zum Tresor, von Federhalter bis zum Barockschrank: alles musste raus aus dem Hamaland-Museum. Da hieß es mit viel Fleiß und Muskelkraft einpacken, verladen, auspacken, einlagern. Zwischendurch wurde noch dokumentiert und fotografiert, gemessen und gewogen, um alle nötigen Informationen für die Neueinrichtung des Museums im Kulturhistorischen Zentrum Westmünsterland zusammen zu stellen. mehr

Ein Stück Handwerkstradition aus Stadtlohn

Eines der eindrucksvollsten Ausstellungsobjekte, das im Januar seinen Standort verlassen musste, ist der Querschnitt durch einen gemauerten Töpferofen. Er wurde aus dem Material eines Ofens errichtet, der bis 1976 bei der Töpferei Erning in Stadtlohn in Betrieb war. Das Model hat eine Tiefe von etwa 60 cm und misst rund 320 cm in der Breite und 300 cm in der Höhe.
Der originale sogenannte Kasseler Ofen hatte eine Brenndauer von 45 bis 48 Stunden. Töpfer Bernhard Erning berichtete, dass in ihrem Betrieb mit Buchenholz gearbeitet wurde. Angefeuert wurde mit Stroh und Reisig, dann folgten Späne und dickes Holz. Wenn man mit ungefähr 1200 Grad Celsius die höchste Glut erreicht hatte, dann erfolgte das Glasieren mit Salz. Für einen Ofen mit insgesamt 10.000 – 12.000 Liter Einmachtöpfen benötigte man für einen Brand im Kasseler Ofen drei Zentner Salz.

Fachleute „bauen rückwärts“

Auch wenn es sich bei dem zu transportierenden Ausstellungsstück nur „um eine Scheibe Töpferofen“ handelt, so erforderte die Angelegenheit eine gute Logistik und bestens aufeinander eingespielte Fachleute. Die Federführung übernahm in diesem Fall André Wohlert von der Firma Gantefort in Borken. Der Restaurator im Handwerk arbeitete zusammen mit den Holzfachleuten der Firma Haveloh aus Alstätte und dem Bauhof des Kreises Borken.
Zuerst wurde das Gewölbe vorsichtig vom Wandputz getrennt. Es folgte der Bau eines Lehrgerüstes, das, genau wie beim ursprünglichen Bau, den Bogen unterstützt. Schließlich wurde auf Höhe der Kämpfer der Bogen von den aufstrebenden Senkrechten mittels einer Säge getrennt. Die mittleren Feuerzüge konnten nun ausgebaut werden und der Bogen wurde mittels Metallplatten und Spannseilen auf dem Lehrgerüst fixiert.

In der Ruhe liegt die Kraft

Am großen Tag des Abtransportes arbeiteten alle Fachleute Hand in Hand. Zuerst musste eine ebene Transportbahn für den Gabelstapler geschaffen werden. Nur so war es möglich, den Ofen-Boden erschütterungsfrei durch den Raum und auf die Ladefläche des Transportfahrzeuges zu befördern. Es folgte die vorsichtige Abnahme des Bogens von seinen Stützen und das langsame Absenken auf eine Transportfläche aus drei Paletten. Anschließend konnte die schützende Holzverkleidung angebracht werden. Mit viel Fingerspitzengefühl beförderte man das über eine Tonne schwere Exponat schließlich auf kürzestem Weg auf den Lkw des kreiseigenen Bauhofes.

Dr. Annette Menke half als Leiterin des Hamaland-Museums beim Umzug tatkräftig mit. Im Team erarbeitet sie zur Zeit ein Konzept für die Dauerausstellung des Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland.

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