Die Grenze zwischen Oeding und Winterswijk wird heute nur noch durch ein Straßenverkehrsschild gekennzeichnet. © Fotos by BK 2007
Grenze zwischen Oeding und Winterswijk
Mit dem Fahrrad über die Grenze fahren – heute ist das ganz einfach. © Fotos by BK 2007
Mit dem Fahrrad über die Grenze
Der Markt in Winterswijk: Stätte kulturellen Austausches und alltägliche Einkaufsmöglichkeit. Foto: G. Olthof
Markt in Winterswijk
Das ehemalige Krameramtshaus in Münster ist nun Bildungsstätte der Westfälischen Wilhelms-Universität. Seit 1995 trägt das Kulturzentrum den Namen „Haus der Niederlande“ und beherbergt das Zentrum für Niederlande-Studien, sowie das Institut für Niederländische Philologie. Im Zunftsaal des Hauses wurde 1648 der Westfälische Frieden geschlossen. Foto: Thomas Robbin

Ehemaliges Krameramtshaus

Das Leben an der Grenze - 
Leben an einer Schnittstelle der Gesellschaft aber auch leben als „Schnittmenge“ der Gesellschaft

Eva Terbuyken ǀ 13.08.2015

Der lockere „Holländer“ ernährt sich, gemeinhin bekannt, hauptsächlich von Käse und „Luftbrot“, ist ein schlechter Autofahrer, der nie das Tempolimit von 80km/h zu überschreiten scheint, ist meist mit einem Wohnwagen unterwegs, und fährt auf dem Weg nach Deutschland an zahllosen Tulpenfeldern entlang.

Der humorlose Deutsche hingegen, der am Strand in Scheveningen (ein Ort dessen richtige Aussprache er nicht beherrscht) seinen Platz demonstrativ mit einem Handtuch frei hält und am Imbissstand, hölzern wie er ist, auf Deutsch seine Pommes bestellt; frei nach dem Motto „die Holländer sprechen doch eh alle Deutsch“, fühlt sich wohl in einer Gesellschaft die von straffen Hierarchien geprägt ist.

Und wenn es um Fußball geht beschleicht einen das Gefühl, auf einem orange-weißen Schlachtfeld gelandet zu sein.

„Mal eben“ nach Holland fahren
 Die Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland sind „nicht ohne“. Doch sind sie mittlerweile weitaus entspannter und freundlicher, als es übertriebene Klischees wie die oben genannten vermuten lassen. Diese Entspanntheit lässt sich vor allem in der Grenzregion erleben. Werden die Länder auch durch eine politische Grenze voneinander getrennt, beeinflusst diese das Zusammenleben eher weniger. Die Menschen, die in den Regionen Achterhoek und Kreis Borken leben, profitieren von den Annehmlichkeiten, die das Leben zwischen zwei Ländern dort bietet.

Spontan über die Grenze fahren um shoppen zu gehen, zur Freizeitgestaltung oder weil es wirklich den Kaffee günstiger zu kaufen gibt, ist Alltag. Dieser ist geprägt von einem freundlichen und gewohnten Miteinander. Die Sprache spielt dabei keine allzu große Rolle. Die Menschen verständigen sich mit einem Mix aus Deutsch, Niederländisch und Plattdeutsch.

Eine wichtige Freundschaft
Verständigung, darum geht es auch in dem bilateralen und interdisziplinären Studiengang Niederlande-Deutschland-Studien. Die Studenten lernen die Geschichte der beiden Länder kennen, um diese und bestimmte Verhaltensweisen zu verstehen. Natürlich geht es nicht nur um Geschichte; daneben sind auch Politik, Wirtschaft, Kommunikation und Kultur im Allgemeinen von Belang.

Die Niederlande und Deutschland teilen viel. Unter anderem auch eine lange und intensive gemeinsame Historie, geprägt von guten und schlechten Beziehungen. Heute ist es gut. Daran muss festgehalten werden, und dazu leistet die Verständigung der Menschen in der Grenzregion – ihr Alltag – einen großen Beitrag.


Eva Terbuyken ist im Grenzgebiet aufgewachsen und von klein auf mit ihrer Familie in die Niederlande gefahren. Dadurch hat sich eine Begeisterung für das Nachbarland entwickelt, so dass sie sich nach dem Abitur für den Studiengang "Niederlande-Deutschland-Studien" entschieden hat.

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