Noabertreffen unter Nachbarn
Plakat: Noabertreffen unter Nachbarn
Vorträge und Austausch über konkrete Projekte: Das Versammlungshaus Wilhelmina in Winterswijk-Kotten war Treffpunkt für Menschen aus der Region, die sich in der Heimatpflege engagieren. Foto: Andrea Hertleif, Kreis Borken
Vorträge und Austausch über konkrete Projekte: Das Versammlungshaus Wilhelmina in Winterswijk-Kotten war Treffpunkt für Menschen aus der Region, die sich in der Heimatpflege engagieren.
Unten Holzschuhe, oben Kamera: Wie sich Erdverbundenheit und Zukunft verbinden lassen, zeigte dieser Teilnehmer. Foto: Andrea Hertleif, Kreis Borken
Unten Holzschuhe, oben Kamera: Wie sich Erdverbundenheit und Zukunft verbinden lassen, zeigte dieser Teilnehmer.
Stärkung beim Mittagessen: Die Frauen aus dem Haus Wilhelmina versorgen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit westfälischen Spezialitäten. Foto: Andrea Hertleif, Kreis Borken
Stärkung beim Mittagessen: Die Frauen aus dem Haus Wilhelmina versorgen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit westfälischen Spezialitäten.

Nachbartreffen ohne Grenzen

Antonius Böing ǀ 22.01.2015

Nachbarschaftstreffen sind mitunter turbulente Veranstaltungen. Da werden Neuigkeiten ausgetauscht, Pläne geschmiedet und es wird in lockerer Runde gequatscht. So ist es auch, wenn sich hier im Grenzraum deutsche und niederländische Nachbarn treffen. Am vergangenen Samstag (17.1.) bestand dafür Gelegenheit. Im Vereinigungshaus Wilhelmina in Kotten – benannt nach der gleichnamigen niederländischen Königin –  kamen über 100 Vertreterinnen von Heimatvereinen aus dem Kreis Borken und dem Achterhoek zusammen.

Berührungsängste gibt es keine und Sprachprobleme meistens auch nicht, wenn sich Heimatvereine aus dem Kreis Borken und dem Achterhoek treffen. Denn zwar spricht in der Regel jeder in seiner Muttersprache, aber mit ein bisschen Erfahrung klappt das Verständnis. Und nicht selten hilft das Platt, was sich im Achterhoek und im Kreis Borken stark ähnelt.

Ziel des Treffens war es, die Strukturen und mögliche Partner dies- und jenseits der Grenze kennen zu lernen. Eingeladen hatten die Kreisheimatpflege Borken und die Stichting Boerengoed aus Winterswijk. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, altes landwirtschaftliches Gerät zu sammeln und zu zeigen. Im vergangenen Jahr hat die Stichting zum Beispiel einen Appeldag veranstaltet und dazu auch Partner aus dem Westmünsterland eingeladen. Dabei stellten sie fest: Obwohl die Ziele meist sehr ähnlich sind, kennen sich die benachbarten Akteure oft kaum.

„Können wir zusammen mehr?“
… lautete deshalb die Leitfrage des Nachbar- oder Noabertreffens. Zum Einstieg gab’s einen Einblick in die Strukturen beiderseits der Grenze: In Deutschland existiert gleich eine ganze Reihe von Ebenen, in den Niederlanden sind die Hierarchien flacher. Dabei spielt die Musik beiderseits der Grenze vor allem auf lokaler Ebene. Corinna Endlich, Leiterin des Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland, stellte die Ideen vor, die hinter dem Projekt stehen. Zu den Zielen gehört es auch, grenzüberschreitende Kooperationen zu entwickeln und kleine Museen zu beraten.

Einen Blick in die Museumslandschaft im Achterhoek eröffnete der Direktor von Gelders Erfgoed in Arnheim, Dr. Marc Wingens. Ein Beispiel für „gelebte Nachbarschaft“ stellten schließlich der Historische Kring Kotten und die Heimatvereine Oeding und Burlo-Borkenwirthe vor. Sie arbeiten gemeinsam an einem Programm zum 250. Jahrestag der „Burloer Konvention“ im Jahr 2015.  Diese regelte den genauen Grenzverlauf zwischen dem Fürstbistum Münster und dem Fürstentum Geldern.

Nach Vorträgen am Vormittag bestand nach dem Mittagessen Gelegenheit zum Austausch. Zahlreiche Vereine und Museen präsentierten ihr Angebot. Mit dabei waren unter anderem die Heimatvereine aus Anholt, Asbeck, Raesfeld, Suderwick, Velen und Weseke, der Dinxperloer Verein „Stichting Bewaar’t Olde“ und die Achterhoeker Initiative „Boezewind“, die sich um den Erhalt des hiesigen niederländischen Dialekts kümmert.

Gefördert wurde das Treffen aus Mitteln des INTERREG-IVA People-to-People-Projektes „Nachbarn im Dialog II“.

Antonius Böing arbeitet in der Abteilung Kultur- und Heimatpflege des Kreises Borken – und verständigt sich bei grenzüberschreitenden Treffen gerne auf Platt.

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