Jakobakanne aus dem Sammlungsbestand, Inventarnummer HM-288, Foto. Kreis Borken
Jakobakanne aus dem Sammlungsbestand
Jakobäa von Bayern (aus Michiel Vosmeer, Principes Hollandiae et Zelandiae, Antwerpen 1578)
Jakobäa von Bayern

Warum „Jakobakanne“?

Dr. Annette Menke ǀ 13.07.2015

Wie kommt eine hohe, schlanke Kanne mit ovalem Gefäßkörper und Wellenfuß zu dem Namen „Jakoba“? Der Kannentyp aus Siegburg ist leicht zu erkennen am hohen konischen Hals mit Drehstufe und/oder Leisten, der häufig leicht ausgebogenen Lippe und dem kurzen Bandhenkel. Die sogenannten Jakobakannen wurden seit dem 14. Jahrhundert produziert. Da das hochwertige Siegburger Steinzeug ein europaweiter Verkaufsschlager war, verwundern auch mittelalterliche Fundstücke in unserer Region nicht – und dürfen  in der neuen Dauerausstellung des Kulturhistorischen Zentrums nicht fehlen.

Ihren heute gebräuchlichen Namen „Jakobakanne“ erhielt der markante Gefäßtyp vermutlich erst im 17. Jahrhundert: Bei der Restaurierung von Schl0ß Teylingen (1596-1606) in der gleichnamigen niederländischen Gemeinde in Südholland fand man eine große Anzahl dieser eleganten Schank- oder auch Trink-Kannen. Sie wurden als Werke der Gräfin Jakoba (1401 – 1436) interpretiert, die ihren Lebensabend im Jagdschloss Teylingen verbrachte.

Eine Frau mit Geschichte und Besonderheiten
Jakobäa von Bayern-Straubing, Gräfin von Holland und Seeland, Herzogin von Bayern-Straubing, Gräfin von Hennegau, Dauphine von Frankreich, Herzogin von Brabant, Herzogin von Gloucester, Frau von Borsselen ist eine der schillerndsten Frauengestalten ihrer Zeit. Sie war viermal verheiratet, wobei alle Ehen kinderlos blieben. Im Falle ihres Todes sollte Philipp von Burgund alle Grafschaften erben. Da dieser nicht so lange auf die Übernahme warten wollte, ließ er Jakobäas 4. Ehemann  Frank van Borselen  entführen und verlangte als Gegenleistung für dessen Freilassung den vollständigen Verzicht Jakobäas auf die Grafschaften. Im Haager Vertrag von 1433 erfüllte Jakobäa Philipps Forderungen.

Der Legende nach verbrachte die verwitwete Gräfin ihren Lebensabend auf Schloss Teylingen, wo sie gern auch Singvögel jagte – ein damals unter Adligen nicht ungewöhnlicher Zeitvertreib und gern gesehene Bereicherung für den Speisezettel. Nach der Jagd soll sie ab und zu Bier aus schlanken Siegburger Krügen getrunken und diese dann aus Trauer um ihr verlorenes Land aus dem Fenster in den Burggraben geworfen haben.

Zum Jagdschloss Teylingen gehörte ein Garten, der die Küche mit Kräutern und Gemüse versorgte. In dem „Keukenduin“ baute man 1641 das Schloss Keukenhof, und der Garten wurde im 19. Jahrhundert  von den Landschaftsarchitekten Vater und Sohn Zocher zu einer Parkanlage umgestaltet.

Beim nächsten Besuch der Frühjahrsblumenausstellung in Keukenhof wird Ihnen sicher die Geschichte der Jakoba von Bayern ins Gedächtnis kommen, der Frau, nach der die „Jakobakannetjes“ benannt wurden.

Dr. Annette Menke leitet im Kulturhistorischen Zentrum den Fachbereich Museum.

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