Christian Thöner vom Büro Thöner von Wolffersdorff aus Augsburg ist für die Gestaltung der neuen Dauerausstellung im Kulturhistorischen Zentrum Westmünsterland zuständig. Foto: Lisa Kannenbrock, Kreis Borken
Gestalter Christian Thöner vom Büro Thöner von Wolffersdorff
Christian Thöner präsentiert dem Team des Kulturhistorischen Zentrums erste Gestaltungsentwürfe. Foto: Lisa Kannenbrock, Kreis Borken
Christian Thöner präsentiert dem Team des Kulturhistorischen Zentrums erste Gestaltungsentwürfe

„Ein gutes Ausstellungskonzept funktioniert wie ein packendes Drehbuch“
Interview mit dem Gestalter Christian Thöner

Nina Rockrohr ǀ 02.04.2015

Eine Ausstellung braucht gute Exponate und eine überzeugende „Geschichte“. Damit das in der Praxis gelingt, ist die Einbindung vieler Fachleute erforderlich. Das gilt besonders,  wenn es um eine neue Dauerausstellung geht, an der sich die Besucherinnen und Besucher nicht so schnell satt sehen sollen. Deshalb ist bei der Erarbeitung der neuen Dauerausstellung für das Kulturhistorische Zentrum Westmünsterland das Büro Thöner von Wolffersdorff aus Augsburg mit im Boot. Hinter diesem Namen verbirgt sich nicht eine Person mit klingendem Namen, sondern gleich ein ganzes Team von Designern und Bühnenbildnern, Lichtplanern und Grafikern. Geschäftsführer und Gründer des Büros sind Christian Thöner, von Haus aus Ökonom, und Tobias von Wolffersdorff, seines Zeichens Architekt und Bühnenbildner.

Für www.kulturachse.de hat Christian Thöner einige Fragen beantwortet:

Was ist für Sie die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

Teile einer über Jahrzehnte gewachsenen, bislang in größeren Blöcken präsentierten Sammlung nun in einem vollkommen neuen thematischen Zusammenhang zu präsentieren, das ist sicher die größte Herausforderung. Zusammen mit neu erworbenen und als Leihgaben zur Verfügung gestellten Exponaten gilt es, diese nun als Teil einer neuen Geschichte in Szene zu setzen – einer Kulturgeschichte des Westmünsterlandes als deutsch-niederländische Grenzregion. Es erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl, diese Geschichte zu erzählen, ihre Besonderheiten herauszuarbeiten und dabei den Exponaten genügend Raum zu lassen, damit sie als eigenwertige Objekte wirken können.

Wie bekommt man es hin, ein Konzept vom Papier in eine Ausstellung/Präsentation zu transportieren?

Je griffiger das Konzept, je klarer, schlüssiger und pointierter die Erzählung, desto leichter fällt dieser Schritt. Ein gutes Ausstellungskonzept funktioniert wie ein packendes Drehbuch für einen Film. Es folgt einer Dramaturgie, zeichnet einen Spannungsbogen und verstrickt unterschiedliche Erzählstränge geschickt zu einer fesselnden Geschichte – mit Höhepunkten, aber auch mit ruhigen Passagen. Und es lässt im Kopf lebendige Bilder entstehen.

Als Gestalter nehmen wir diese Erzählstränge und Bilder auf, schärfen sie im Dialog mit den verantwortlichen Wissenschaftlern und Experten und geben ihnen mit den Instrumenten der Szenografie eine Form: durch geschickte Präsentation und Gegenüberstellung von Exponaten, durch Inszenierung im Raum, durch Ausstellungsgrafik, durch Licht und durch den Einsatz geeigneter Medien. Das verlangt von uns Kreativität und Gestaltungskraft ebenso wie eine gründliche technische Planung im Rahmen vorgegebener Kostengrenzen.

Gibt es ein Exponat, in das Sie sich schon ein bisschen verguckt haben?
 
Muss ich mich jetzt wirklich für ein Ausstellungsstück entscheiden? Ich finde es ja gerade reizvoll, dass ganz unterschiedliche, teils unscheinbare und skurrile Objekte wie ein Mäusegalgen in der Ausstellung gleichermaßen ihren Platz finden wie Hochkaräter vom Format der Sixtuskasel. Letztere werden wir im 2. OG des Hauses in einer Form präsentieren, die ihre historische Bedeutung als Reliquie in besonderer Weise unterstreicht. Mehr verrate ich jetzt aber nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Übrigens: Neben der Gestaltung der neuen Dauerausstellung des Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland arbeitet das Büro Thöner von Wolffersdorff derzeit u.a. an der Bayerischen Landesausstellung „Napoleon und Bayern“, die Ende April in Ingolstadt eröffnet werden wird, und für das Deutsche Museum in München. Auch in Nordrhein-Westfalen haben sich die Gestalter schon einen Namen gemacht. Dort trägt die mehrfach mit Preisen bedachte Dauerausstellung des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur - Stiftung Kloster Dalheim ihre Handschrift. 

 

Das Interview führte Nina Rockrohr. Sie koordiniert im Team des Kulturhistorischen Zentrums den Bereich Kulturelle Bildung.

 

 

 

 

 

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