Jörg Schwanke von Touchmedia entwickelt und gestaltet die Medienstationen in der neuen Daueraustellung des kult. Foto: Touchmedia.
Jörg Schwanke
Auf großformatigen Monitoren wird ein Zeitraffer durch die Modegeschichte gezeigt. Foto: Touchmedia.
Kleidung
Mit kritischem Blick überprüft Geschäftspartner Jens Schwanke die Medienstationen. Foto: Touchmedia.
Jens Schwanke

Filme, Audio und Pepper's Ghost
Medien in Museen und Ausstellungen
Interview mit Jörg Schwanke von Touchmedia

Flemming N. Feß M.A.│30.03.2017

Die Dauerausstellung im kult nimmt aktuell rasant Gestalt an. Das gilt nicht nur für die Exponate, die nach und nach ihren Platz in den Vitrinen finden, sondern auch für die rund 13 Medienstationen, die auf ganz unterschiedliche Weise den Museumsbesuch für die Besucherinnen und Besucher zu einem Erlebnis für alle Sinne werden lassen und Hintergrundinformationen zu den Inhalten der Ausstellung liefern sollen. Verantwortlich für die Produktion und Gestaltung dieser Medienstationen zeichnet die touchmedia KG aus Oldenburg. Gemeinsam mit dem Team des kult erarbeiten die Mitarbeiter von touchmedia, was die Besucherinnen und Besucher in den Medienstationen erleben können.

Für www.kulturachse.de hat Jörg Schwanke einige Fragen beantwortet.

Wie kommt man eigentlich dazu, Medienlösungen für Museen zu entwickeln?
Ich bin eigentlich studierter Informatiker und habe an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in einem Projekt für Robotik mitgewirkt. Dabei habe ich dann auch viel Öffentlichkeitsarbeit für die Abteilung gemacht, sie auf Messen vorgestellt und mediale Präsentationen erstellt. Irgendwann habe ich mich dann dazu entschieden, mich damit selbstständig zu machen. Wir sind dabei nicht auf Museen festgelegt, wir machen auch viele Projekte für die Forschung und auch einiges für Unternehmen, ein Schwerpunkt ist Film, aber auch crossmediale Präsentationen, in denen wir mehrere Medien miteinander verbinden.

Wenn Sie Ihre Aufgabe für das kult beschreiben sollen, was sagen Sie dann?
Grundsätzlich sind wir verantwortlich für die Medien, von der Planung über die Erstellung bis hin zum fertigen Produkt. Dabei war es uns wichtig, dass wir ganz unterschiedliche Medien verwenden, die die Besucherinnen und Besucher auf unterschiedliche Weise ansprechen. Wir haben Monitor-Terminals die eher klassisch Informationen vermitteln, aber wir haben auch Elemente, die eher erzählerisch oder interaktiv funktionieren und natürlich einige Filme.

Was waren denn hier im kult besondere Herausforderungen?
Schwierig war für uns zunächst, sich das Ganze überhaupt vorzustellen, denn das kult und seine Ausstellung gab es ja noch nicht, also konnten wir uns bei der Ideenfindung auch nicht von Bestehendem beeinflussen lassen. Dazu kommt natürlich, dass man viele der Medien, so wie wir sie hier einsetzen, nicht von der Stange kaufen kann, sondern auch bei der technischen Umsetzung kreativ werden muss. Hier sind insbesondere der „Blumenautomat“ zu nennen, aber auch das „Fernglas", das nicht in die Ferne, sondern in die Vergangenheit schaut und das über eine Virtual Reality-Brille funktioniert.

Und worauf sind Sie besonders stolz?
Die Präsentation von 100 Jahren Entwicklung der Alltagskleidung auf großformatigen Monitoren finden wir besonders gelungen und fertig begeistert sie uns sogar noch mehr, als wir das im Voraus erwartet hätten. Aber auch der Blumenautomat und die Pepper's Ghost einer Stiftsdame finden wir toll gelungen. Pepper's Ghost ist ja eigentlich eine schon recht alte Medientechnologie, sie wurde im 19. Jahrhundert entwickelt. Aber natürlich ist das heute mit digitaler Beamerprojektion etwas völlig anderes. Im Prinzip ist es die gleiche Technologie, die auch in Head-up-Displays in modernen Autos verbaut ist, wenn Informationen auf die Frontscheibe des Fahrzeugs projiziert werden. Aber in der Größe war es für uns etwas Neues und dass es so gut funktioniert, empfinden wir auch als Erfolg.

Gab es denn Überraschungen für Sie bei der Arbeit für das kult?
Natürlich ist jeder Auftrag anders und man nimmt immer etwas mit und lernt Neues, das man dann später bei einem anderen Projekt wieder gebrauchen kann. So war es auch hier. Und genau wie das kult jetzt von den Erfahrungen profitiert hat, die wir früher schon gemacht haben, profitieren später andere von den Erfahrungen, die wir hier gerade machen. Das ist auch eine der Besonderheiten von uns: Wir realisieren Aufträge für Kultureinrichtungen, für Forschung und Industrie – dadurch fließt natürlich viel mit ein und wir lernen vieles kennen, das erweitert natürlich auch immer den Horizont und unsere Möglichkeiten.

Wo finden sich denn neben dem kult noch touchmedia-Produkte?
Uns gibt es seit 2000 und da haben wir natürlich schon an vielen Projekten mitgearbeitet.  Spontan fällt mir da das Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven ein oder unsere Dokumentation eines ganz bedeutenden Goldfundes. Ein wirklich spannendes Projekt, wir konnten dabei Archäologen begleiten, wie sie den Fund ihres Lebens machten. Ausschnitte unserer Filme haben dann fast alle Fernsehsender gezeigt.
Wir haben aber auch schon für das Freilichtmuseum Molfsee einen Multimedia-Guide und für das Museumsdorf Cloppenburg Infoterminals entwickelt. Für das Museum der Versicherung HDI haben wir gerade die Medieninstallationen der Ausstellung beigesteuert. Gerade starten wir mit einem Projekt für eine Klinkerei in Friesland, die Bandbreite unserer Aufträge ist also sehr groß. Und natürlich arbeiten wir auch viel für die Oldenburger Museen.

Bei Ihrer Arbeit greifen Sie ja auch immer wieder auf Kooperationspartner zurück…
Das stimmt. Wir arbeiten mit Software-Programmierern und Gestaltern zusammen. Für das kult hat uns auch ein freiberuflicher Fotograf und Schauspieler sehr geholfen bei den Aufnahmen für die Kleidung. Es war nämlich ganz schön schwierig, nicht nur Schauspieler und -innen zu finden, sondern auch für alle Jahrzehnte Kleidung und dann auch noch in den richtigen Größen! Da konnte er dann seine Kontakte zu Theatern und Bekannten spielen lassen. Ohne ihn hätten wäre das alles wohl sehr viel schwieriger geworden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Flemming N. Feß. Er koordiniert im kult den Bereich Kulturelle Bildung und Vermittlung.

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