Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen mit einer Vielzahl von Erwartungen zum Workshop – und sahen sie am Ende übertroffen. Foto: Henrike Redemeyer,
Kulturbüro/Münsterland Festival
Erwartungen
Eeva Rantamo (4. von rechts) erläutert die Anforderungen, die an taktile Hilfsmittel gestellt werden. Foto: Henrike Redemeyer, Kulturbüro/Münsterland Festival
Anforderungen

"Inklusion ist eine Haltung"

Dr. Annette Menke ǀ 14.10.2015

„Fangen Sie einfach an. Fragen Sie höflich und dezent, aber werden Sie aktiv. Sie können nichts falsch machen.“ Diese Sätze fielen immer wieder im Workshop „Inklusion im Kulturbetrieb“, ein Angebot des Kulturbüros Münsterland e.V. am 30. September im Nachgang zur Westfälischen Kulturkonferenz in der Alten Molkerei in Velen-Ramsdorf.

Vorbild Finnland
Referentin Eeva Rantamo eröffnete hier die Möglichkeit, sich intensiv und auch aktiv mit dem Thema Inklusion auseinanderzusetzen. Das Spezialgebiet der Kulturwissenschaftlerin aus Köln ist die inklusive Kulturarbeit. Da das Thema in ihrem Geburtsland Finnland seit vielen Jahren sehr intensiv behandelt wird, sieht sie sich als Vermittlerin zu unseren skandinavischen Nachbarn. Wie sich im Laufe des Tages zeigen sollte, gab es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel zu lernen – vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der Inklusion im Norden Europas gelebt wird.

Zumindest ist man dort auf dem Weg dorthin ein gutes Stück weiter als in Mitteleuropa. Unvoreingenommen, kreativ und experimentierfreudig zeigt man sich im Umgang mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Das Credo lautet: „Inklusion ist eine Haltung – es ist das Anerkennen des anders sein im Kopf und in den Herzen.“ Eine ebenso einfache wie eindringliche Formulierung.

Alles kann Hilfsmittel sein
An vielen Details erläuterte Eeva Rantamo, wie auch mit einem kleinen Geldbeutel die Inklusion in vielen Kultureinrichtungen einen großen Schritt weiter gebracht werden kann. Immer wieder betonte sie, dass Inklusion gelebt werden muss. Alle müssen daran beteiligt werden, vom Chef oder der Chefin bis hin zum Kassenpersonal. Das Thema kann nicht bei der Museumspädagogik „abgegeben“ werden. Und genau so wichtig: Inklusion ist ein Prozess, der viel Kreativität und sicher auch Zeit braucht, in erster Linie aber braucht er Gespräche mit den Betroffenen. Eine gute gemeinsame Planung ist das A und O, um den Bedürfnissen aller gerecht zu werden.

Öffentlichkeitsarbeit
„Und wenn etwas nicht geht, dann sagen Sie es im Vorfeld. Alles ist besser, als eine Enttäuschung, wenn man nach langer Anreise feststellt, dass der Rollstuhl doch nicht durch die Tür passt oder das Kopfsteinpflaster auf der Straße mit Rollator nicht zu bewältigen ist.“ Eine gute und ehrliche Beratung vor dem Besuch ist die beste Öffentlichkeitsarbeit.

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