Norbertstein
Norbertstein

Der hl. Norbert – Friedensstifter in einer von Kriegen erschütterten Zeit

Dr. Volker Tschuschke ǀ 25.06.2015

Neben Xanten, wo der hl. Norbert Stiftsgeistlicher war, nehmen ihn auch Bocholt und Vreden für sich in Anspruch. Die Vredener tun das zu Recht. Ein Erlebnis Norberts vor Vreden im Jahr 1115 hatte langfristige Folgen für die ganze Region. Dieses Ereignis jährt sich dieses Jahr zum 900. Male. Grund genug also für ein „Norbertjahr“.

Die Bekehrung: „Lass ab vom Bösen und tue das Gute“
Die Lebensbeschreibung des Heiligen berichtet, „nachdem Norbert die Annehmlichkeiten des Lebens lange und reichlich genossen hatte, begab es sich eines Tages, dass er, nur von einem Diener begleitet, heimlich einem gewissen Ort namens Vreden zustrebte, angetan mit feinen seidenen Gewändern. Wie er so dahin zog, wurde er von einer dunklen Wolke überrascht, aus der Blitze zuckten und Donner krachten, was für ihn umso schlimmer war, als weit und breit kein schützendes Dach vorhanden war. Und während er und der ihn begleitende Diener voller Angst und Verwirrung waren, fuhr plötzlich ein schrecklicher Blitz mit einem furchtbaren Donnerschlag vor ihm in die Erde und riss sie etwa eine Körperlänge tief auf. Daraus entstieg ein entsetzlicher Gestank, der sich an ihm und in seiner Kleidung festsetzte. Dieser Norbert aber, der von dem Pferd, das er ritt, herabfiel, vermeinte eine Stimme zu hören, die ihn anklagte. Durch diese Stimme kam er wieder zu sich und sprach, schon zur Buße bekehrt, die Worte des Psalmisten: ‚Lass ab vom Bösen und tue das Gute.‘, und mit diesem Vorsatz kehrte er auf dem nämlichen Wege, auf dem er gekommen war, wieder zurück.“

Das Leben als Geistlicher und Friedensstifter
Nach diesem Erlebnis machte Norbert Ernst mit seinem Leben als Geistlicher. Er empfing die Priesterweihe, schenkte sein Vermögen den Armen und zog als Wanderprediger umher, um – so ein Schlagwort jener Zeit – „nackt dem nackten Christus zu folgen“. Wie sein Vorbild, der hl. Johannes der Täufer, kleidete er sich in Schafs- und Ziegenfelle, predigte Buße und Umkehr und versuchte Frieden zu stiften, wohin er kam.

Norbert traf den Nerv einer von Kriegen erschütterten Zeit
Damit traf Norbert den Nerv seiner von Kriegen erschütterten Zeit: 1115, kurz vor Norberts Ritt nach Vreden, hatte der sächsische Adel Kaiser Heinrich V. am Welfesholz geschlagen, 1116 wurde die Burg Bentheim zerstört und bei der Belagerung Münsters 1122 brannten Stadt und Dom nieder. Das veranlasste zwei der Beteiligten, sich der von Norbert gegründeten Ordensgemeinschaft der Prämonstratenser anzuschließen: Die Grafen Gottfried und Otto von Cappenberg wurden Mönche und stifteten auf ihrem Besitz die Prämonstratenserklöster Cappenberg und Varlar. Cappenberg erhielt u.a. den Hof Wessum, der noch im 13. Jahrhundert von Ordensbrüdern bewirtschaftet wurde, Varlar bekam zu seiner Ausstattung die Kirche in Rhede, wo jahrhundertelang Prämonstratenserpatres als Pastöre wirkten.

Festtag am 6. Juni in Vreden
Zum Festtag des Heiligen am 6. Juni diesen Jahres kamen 1934 anlässlich des 800. Todestages Norberts vom Heimat- und Altertumsverein der Vredener Lande e.V. errichteten Norbertstein P. Dr. Thomas Handgrätinger (Generalabt der Prämonstratenser), Dr. Felix Genn (Bischof von Münster), László Böcskei (Bischof von Großwardein), Dr. Norbert Lammers (Präsident des Deutschen Bundestages) sowie weitere Vertreter von Kirche und Politik mit mehreren hundert Gläubigen zusammen, um dieses Jubiläum zu feiern. Höhepunkt des anschließenden Festgottesdienstes war die feierliche Übergabe eines von der Schmuckmanufaktur Nießing angefertigten Reliquiars, in das die Reliquie des hl. Norbert eingelassen wurde, die der Prämonstratenserorden der Vredener Kirchengemeinde St. Georg zum Geschenk machte. – Wenn Menschen sich auf den Weg machen und miteinander ins Gespräch kommen, dann entspricht das dem Anliegen Norberts, und dass so viele gekommen sind, zeigt, dass die Strahlkraft des Ereignisses vor 900 Jahren weiterwirkt bis in unsere Zeit hinein.

 

Dr. Volker Tschuschke ist Historiker und gehört zum Team des Kulturhistorischen Zentrums.
Foto: Dr. Volker Tschuschke.

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