Glocke. Foto: Kreis Borken
Glocke
Glockenguss. Foto: Kreis Borken
Eine Glocke wird gegossen
Glockenguss. Foto: Kreis Borken
Glockenguss
Silikonabdruck. Foto: Kreis Borken.
Silikonabdruck

Eine Glocke für kult

Annette Menke│26.10.2016

Festgemauert in der Erden
Steht die Form aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden,
frisch, Gesellen, seid zur Hand!

magisch
Die Anfänge der Glocken stammen aus dem antiken Asien und reichen mehrere Jahrtausende zurück. Wo immer Menschen Metallbearbeitung betrieben, entstanden Klangkörper, die zu kultischen Zwecken verwendet wurden, und denen man auf der ganzen Welt magische Kräfte zuschrieb.

christlich
Das Christentum bediente sich der Glocken seit dem frühen Mittelalter. Ein Beispiel hierfür sind die bereits 1949 geborgenen Funde von Vreden, die auf ehemals vierzehn Bronzeglocken aus dem 9. oder 10. Jahrhundert im adeligen Damenstift hinweisen. Durch Vergleichsproben konnte festgestellt werden, dass das hier verwendete Kupfer dem Rammelsberg bei Goslar entstammt. Das Zinn kam vermutlich aus Südengland.

formal
Die Form dieser Glocken erinnert entfernt an einen Bienenkorb. Bisher ist nur eine vollständige Glocke dieser Art bekannt. Sie stammt aus Canino bei Viterbo in der Nähe Roms. Hans Drescher rekonstruierte aus den in Vreden gefundenen Fragmenten Glocken eben dieses Typs Canino. Für den Guss einer Glocke wird eine Wachsform erstellt, die in ein festes Erdbett eingebracht wird. Beim Einfüllen der heißen Glockenspeise verdampft das Wachs und die Gase entweichen über spezielle Kanäle, deren Ansatzspuren bei der Endbearbeitung der Glocke entfernt werden.

glühend
Für die neue Dauerausstellung ‚Grenze‘ des kult – Westmünsterland wurde nun in der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher eine Rekonstruktion einer dieser Vredener Glocken gefertigt. Am 4. April 2016 war es so weit. Pünktlich um 15:00 Uhr, wie es gute Tradition der Glockengießer ist, ging der Guss des künftigen Ausstellungsstückes von statten. Etwa 45 kg wiegt das fertige Exemplar. Die Bronzeschmelze hat eine Gusstemperatur von etwa 1100°C.
Auch im 21. Jahrhundert hat dieser Vorgang nichts von seiner Faszination und fast mystischen Strahlkraft verloren – auch wenn wir wissen, dass es sich um Handwerkskunst handelt:

Von der Stirne heiß
rinnen muß der Schweiß,
soll das Werk den Meister loben;
doch der Segen kommt von oben.
(Friedrich Schiller Das Lied von der Glocke)


Dr. Annette Menke ist im kult für den musealen Bereich verantwortlich.

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