Schülerinnen und Schüler aus fünf Nationen stellten ihre Projekte in Oberhausen vor. Foto: Nina Rockrohr, Kreis Borken
Schülerinnen und Schüler aus fünf Nationen stellten ihre Projekte in Oberhausen vor.
Schülerinnen der deutschen Schule in Mailand erläutern Interessierten ihr Projekt. Foto: Nina Rockrohr, Kreis Borken
Schülerinnen der deutschen Schule in Mailand erläutern Interessierten ihr Projekt.
Das Projekt aus Landau in der Pfalz. Foto: Nina Rockrohr, Kreis Borken
Das Projekt aus Landau in der Pfalz.
Joanna Brand und Nina Unland präsentierten ihre Ergebnisse über den Weltkrieg im Westmünsterland. Foto: Nina Rockrohr, Kreis Borken
Joanna Brand und Nina Unland präsentierten ihre Ergebnisse über den Weltkrieg im Westmünsterland.

„Eurovision 1914“ in Oberhausen: Was Guildo Horn und Lena Meyer-Landrut (noch) nicht wussten!

Nina Rockrohr ǀ 26.02.2015

Unter dem Titel „Eurovision 1914“ hat in Oberhausen eine besondere Tagung stattgefunden. Was sich ein bisschen nach europäischem Sängerwettstreit anhört, hat mit Guildo Horn und Lena Meyer-Landrut allerdings herzlich wenig zu tun. Viel mehr setzten sich Wissenschaftler aus ganz Europa mit dem Ersten Weltkrieg auseinander. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der heute jungen Generation. Unter der Überschrift „Erinnerung, Auseinandersetzung, Austausch“ präsentierten Schülerinnen und Schüler aus fünf Nationen ihre Projekte zum Thema. Mit dabei waren auch zwei Schülerinnen der Schönstätter Marienschule aus Borken.

Ideenreiche, kreative und anspruchsvolle Arbeiten hatten alle Jugendlichen im Gepäck. Sie zeigen wie sich das junge Europa mit der Zeit des Ersten Weltkrieges auseinandersetzt. Die gesammelten Erinnerungen aus Frankreich, Deutschland, England Italien oder Rumänien verbindet eine gemeinsame Historie. Und doch erzählen sie eigene, persönliche Geschichten und rücken damit aus nationaler Perspektive ganz Eigenes in den Fokus.

Ein Koffer voller Erinnerung
Mit dabei hatten alle einen Koffer, prall gefüllt mit Erinnerungsstücken aus ihrem Projekt, Exponate und Quellen, mit denen die Schulklassen gearbeitet hatten. Zum Inhalt gehörten alte Postkarten, Fotos und Feldpostbriefe. Doch damit war es den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht genug. Viele hatten aus den zusammengetragenen Erinnerungsstücken Videos und Kollagen erstellt.

Familiengeschichte wird lebendig
Einen familiären Zugang zum Thema wählte eine deutsche Schule aus Mailand. Die dortigen Schülerinnen und Schüler stammen aus verschiedenen Teilen Europas – und blicken somit auf sehr unterschiedliche Weise auf den Ersten Weltkrieg zurück. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten standen die persönlichen Familiengeschichten der Jugendlichen. Vorfahren der einen kämpften in diesem Krieg gegen Vorfahren der anderen.

Eine Schulklasse aus Landau in der Pfalz hat mit Hilfe des Stadtarchivs die komplette Geschichte ihrer Stadt zu Beginn des Krieges aufgearbeitet und dabei auch immer wieder Berührungspunkte zu den eigenen Urgroßeltern finden können. Sie waren sich einig, dass der unmittelbare Bezug eines historischen Themas zur Geschichte der eigenen Stadt und Familie das Projekt so spannend machten.

Und die Schülerinnen aus Borken? Sie haben sich im Kreisarchiv und im Klassenzimmer mit der Frage auseinandergesetzt: Wie beeinflusste und veränderte der Erste Weltkrieg das Leben der Menschen im Westmünsterland? Ihre Ergebnisse stellten sie in Oberhausen vor.

Austausch im Vordergrund
Mit dem eigenen Blick auf die Zusammenhänge fremder Nationen zu schauen, das sei bereichernd, konstatierten alle Schülerinnen und Schüler. Sie deckten dabei auf, dass Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern jeweils eine sehr eigene Sicht auf den Krieg haben. Während in der kollektiven Erinnerung der Deutschen der Erste Weltkrieg hinter den Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges verblasst, wird dieser in Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Belgien noch immer „Großer Krieg“ genannt.

„Die Erinnerungstradition ist in Europa nicht gemeinsam gewachsen. Hier haben wir einen ersten Schritt gemacht“, sagt Milena Karabaic, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Rheinland. Der LVR hatte die Veranstaltung organisiert. Tagung und Ausstellung sind Abschluss des LVR-Verbundprojektes „1914 – Mitten in Europa“.

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