Dieser unscheinbare Topf hat eine ganz besondere Geschichte. Foto: Kreis Borken
Aluminiumtopf

Ein Topf mit Geschichte


Martina Volmer│08.12.2017

Dokumentation und Inventarisierung

Die Ausstellungen in Museen können immer nur einen Ausschnitt der meist sehr viel größeren Sammlungen präsentieren. Auch im kult ist in der Dauerausstellung nur ein Bruchteil des ca. 20.000 Objekte umfassenden Sammlungsbestands zu sehen. Der Rest wird in Magazinen aufbewahrt. Dies bedeutet aber nicht, dass diese Objekte in Vergessenheit geraten! Sie alle werden dokumentiert und inventarisiert, um für Forschung oder spätere Ausstellungen besseren Zugriff darauf zu haben. Dafür werden sie  fachkundig in Augenschein genommen, fotografiert und anschließend digital in einem speziellen Inventarisierungsprogramm erfasst. Die Gegenstände werden vermessen, beschrieben und falls dies bekannt ist, wird auch erfasst, woher sie stammen und wie sie benutzt wurden.

Objekte erzählen Geschichten 

Ein besonderer Glücksfall ist es aber, wenn man einem Objekt seine eigene Geschichte zuordnen kann.
Um ein solches Objekt handelt es sich bei diesem schlichten Kochtopf aus Aluminium. Unscheinbar und sogar unvollständig, da ohne Deckel, ist dieser Topf auf den ersten Blick kaum der Beachtung wert. Im Zuge der Dokumentation stießen wir allerdings auf seine Geschichte, persönlich aufgeschrieben von der Voreigentümerin, als sie den Topf im Jahre 1993 dem Hamaland-Museum übergab.

Ein ganz besonderer Topf

Im März 1945 flüchtete sie mit ihrer Mutter von Walsum nach Vreden und fand Aufnahme in Dömern. Sie schrieb:  
"Nach der Bombardierung von Vreden musste ich (Flüchtling) bei Schwering im Behelfskrankenhaus arbeiten. Nachts um 4:00 fuhren wir mit einem Handwagen - es war auch eine Ordensschwester dabei – zum bombardierten Krankenhaus und holten Lebensmittel aus dem Keller, dabei wurde auch dieser Topf benutzt. Nachdem die Engländer Vreden überrollt hatten, die deutsche Wehrmacht, die auch bei Schwering in Quartier war, abgezogen war, blieb der Topf einsam und allein stehen. Da ich vorhatte zu Heiraten, mein Bräutigam war im Krieg und es gab ja keinen Topf zu kaufen, nahm ich ihn mit nach Walsum. Da habe ich den Topf nach der Hochzeit zum Einkochen, Windelkochen usw. benutzt. Ich habe ihn nicht wegwerfen können und nun bringe ich ihn wieder nach Vreden, in seine alte Heimat, zurück."

So wird aus einem schlichten, unvollständigen Topf ein ganz besonderes Objekt mit seiner eigenen Geschichte. Das macht ihn für das kult und seine Sammlung besonders wertvoll.

Martina Volmer betreut die Inventarisierung der umfangreichen Sammlungen des kult. Sie freut sich immer über Objekte mit spannenden Geschichten.

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