Schnadezug in Asbeck 1982. Foto aus der Veröffentlichung Dietmar Sauermann: Volksfeste im Westmünsterland. Band 1, Vreden 1983, S. 113
Schnadezug in Asbeck 1982
Das rote Halstuch aus Asbeck. Foto: Martina Volmer, Kreis Borken
Das rote Halstuch aus Asbeck

Kleines Tuch - spannende Geschichte

Dr. Annette Menke ǀ 09.04.2015

Ein einfaches rotes Halstuch mit blau-weißer Musterung, ein schlichtes „Nickituch“, ist das erste „Objekt des Monats“. Was so besonders an dem Stück Stoff ist? Dieses kleine Tuch ist das Symbol für eine große Sache und erzählt zudem noch eine schöne Anekdote.

Als 1969 das Dorf Asbeck seine politische Selbstständigkeit verlor und der Gemeinde Legden angegliedert wurde, bildete sich der Heimatverein Asbeck. Sein Ziel bis heute ist es, „die Dorfgemeinschaft zu erhalten und das gemeinsame geschichtliche Erbe zu pflegen“. Bei den Aktivitäten, die dieser Verein in den nächsten Jahren entwickelte, stieß man auf ein Dokument von 1687, dem zu entnehmen war, dass junge Burschen damals am Maitage eine Art Schnadegang, also eine festliche Grenzbegehung, rings um den Asbecker Landbesitz durchführten.

Begründer einer Tradition
Dieses Dokument und die überall üblichen Maigänge nahm man zum Anlass, den Schnadezug wieder aufleben zu lassen, obwohl ein solcher Brauch im westlichen Münsterland keine traditionelle Überlieferung besitzt. Genauso wichtig wie die historische Legitimation war das Bemühen, Ortsbewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl der Asbecker zu fördern. Dass man mit dieser Veranstaltung gleich zum Begründer einer Tradition werden würde, dass konnte sicher niemand voraussehen, doch die Beharrlichkeit, mit der das Ziel verfolgt wurde, führte schließlich zum Erfolg.

So wurde am 1. Mai 1974 der erste Asbecker Schnadezug durchgeführt. Die Resonanz war nicht besonders groß und das schlechte Wetter tat das Seinige dazu, dass nur zwölf Unentwegte den Fußmarsch antraten. Im Jahr darauf sorgten viel Werbung im Vorfeld und eine perfektionierte Organisation dann aber für regen Zulauf.

Jürgen Niehues berichtete zwei Jahre später in „Unsere Heimat Borken“: „Zur Finanzierung der Musikkapellen wurden dann selbst angefertigte Halstücher verkauft. Belustigt stellten wir fest, dass die Tücher abfärbten und so die Teilnehmer an den roten Hälsen zu erkennen waren“. Auf Nachfrage beim Heimatverein Asbeck fand das abgebildete Tuch seinen Weg ins Museum. Dieses Halstuch soll aus der Anfangszeit des Asbecker Schnadezuges stammen, der heute aus dem Veranstaltungsprogramm des äußerst regen Vereines nicht mehr wegzudenken ist.

Maria Pier-Bohne, von 2005 bis 2015 Vorsitzende des Heimatvereins Asbeck e.V., wies darauf hin, dass die Mitglieder seit langer Zeit bereits blaue Halstücher tragen. Wie man sieht, sind auch Traditionen nicht vom Wandel ausgeschlossen.

Dr. Annette Menke, langjährige Leiterin des Hamaland-Museums, steckt zurzeit ganz tief im Konzept für die Dauerausstellung des Kulturhistorischen Zentrums Westmünsterland – und setzt sich dafür mit vielen Exponaten intensiv auseinander.

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