Versturzmaterial der ehemaligen Stadtmauer. Foto: Unearth
Versturzmaterial der ehemaligen Stadtmauer.
Pfahlrost aus verschiedenen Holzbalken zur Fundamentierung der ehemaligen Stadtmauer. Foto: Unearth
Pfahlrost aus verschiedenen Holzbalken zur Fundamentierung der ehemaligen Stadtmauer.
Nordöstlicher Abschnitt der Uferrandbefestigung aus Eichenholz, dahinter modernes Fundamentmauerwerk. Foto: Unearth
Nordöstlicher Abschnitt der Uferrandbefestigung aus Eichenholz, dahinter modernes Fundamentmauerwerk.

Überreste der Stadtbefestigung Vredens „ausgegraben“

Dr. des. Jan Markus ǀ 13.05.2015

Nachdem Archäologen bereits im letzten Jahr auf dem Gelände des zukünftigen Kulturhistorischen Zentrums gegraben hatten, fanden von Februar bis Ende März 2015 erneut archäologische Untersuchungen im Süden der Vredener Altstadt statt. Im Zuge der Ausschachtung der Baugrube für den Neubau am Butenwall sollten parallel zu den Erdarbeiten die dort vermuteten Überreste der ehemaligen Stadtbefestigung Vredens dokumentiert werden, da sie im Zuge der Neubebauung zerstört werden würden. Die Durchführung übernahm das Grabungsbüro Unearth.

Stadtgraben aus dem 14. Jahrhundert
In der Untersuchungsfläche wurden dann tatsächlich zahlreiche Überreste der Stadtbefestigung Vredens aufgedeckt und dokumentiert. Der im 14. Jahrhundert angelegte Stadtgraben wurde auf einer Länge von 35 m erfasst bei einer Breite von 12 bis 15 m. Auf beiden Seiten konnten Reste der aus Holz gefertigten Uferrandbefestigung, einer mächtigen Spundwand aus Eichenbalken und Bohlen, dokumentiert werden. Die Tiefe des Grabens betrug etwa 3,5 m vom heutigen Gehwegsniveau gerechnet. Auf der nördlichen Seite des Stadtgrabens konnte direkt an der Uferkante ein mächtiger Pfahlrost aus mehr als hundert Holzpfählen verschiedener Größen erfasst werden, auf dem die ehemalige Stadtmauer Vredens gestanden hat. Vier größere Versturzblöcke dieser aus Feldbrandbacksteinen gemörtelteten Mauer fanden sich im Bereich des Grabens, nur etwa einen Meter vom Pfahlrost entfernt. Sie waren im Zuge der Niederlegung der Stadtbefestigung Mitte des 17. Jahrhunderts einfach in den bereits aufgegebenen Stadtgraben geworfen worden.

Mehr als 500 Fundstücke
Durch tatkräftige Unterstützung des Heimatvereins Vreden konnten mehr als 500 Fundstücke während der baubegleitenden Untersuchung aus dem Stadtgraben geborgen werden. Es handelt sich um ein umfangreiches Spektrum an Gebrauchskeramik und verschiedenen Metallfunden. Neben mittelalterlichen Kugeltopfresten aus grauer Irdenware, Siegburger Steinzeug und zahlreichen Fragmenten von neuzeitlichen Töpfen, Tellern, Kannen und Bechern fanden sich mehrere mittelalterliche Tuchplomben aus Blei, einige Musketenkugeln und eine kleine halbierte Kanonenkugel aus Stein.

Grafische Darstellung des Befestigungsverlaufs
Insgesamt wurden mehr als 150 Befunde der ehemaligen Stadtbefestigung Vredens aufgedeckt und dokumentiert. Sie lieferten nochmal einen schönen Blick auf die Gestalt der Befestigungsanlagen mit der Stadtmauer aus gemörtelten Feldbrandziegeln und dem vorgelagerten Stadtgraben. Die aufgedeckten Überreste sollen im entstehenden Neubau in Form einer grafischen Darstellung des Befestigungsverlaufs wieder sichtbar gemacht werden und bleiben auf diesem Wege erhalten.

Dr. des. Jan Markus vom Grabungsbüro Unearth führte die Grabungen im Frühjahr 2015 auf dem Gelände des zukünftigen Kulturhistorischen Zentrums durch.

Copyright 2014 - Kreis Borken