Blick in das Innere des Altarschranks, aus: Grenzenlos – Zwillbrock und die Missionsstationen an der Grenze“, hrsg. vom Freundeskreis Barockkirche Zwillbrock, Vreden 2008, S. 82.
Blick in das Innere des Altrarschranks
Von außen ist es ein einfacher Schrank, aus: Grenzenlos – Zwillbrock und die Missionsstationen an der Grenze“, hrsg. vom Freundeskreis Barockkirche Zwillbrock, Vreden 2008, S. 82.
Altarschrank von außen

Not macht erfinderisch –
Der Altarschrank: ein Highlight der neuen Dauerausstellung

Dr. Annette Menke ǀ 01.10.2015

Groß und massiv darf es zukünftig im Zentrum sein: Ein gut 280 cm hoher Schrank, stolze 187 cm breit und 92 (!) cm tief, konnte in der letzten Woche vermessen werden. Nun kann sein Platz in der neuen Dauerausstellung des Kulturhistorischen Zentrums endgültig und auf den Zentimeter genau festgelegt werden. Nicht nur die Maße sind ungewöhnlich, auch der Verwendungszweck des Möbels aus der Mitte des 18. Jahrhunderts lässt aufhorchen: Das Innere das Schrankes bildet einen Altar.

Heimliche Gottesdienste
Das einzigartige Stück steht derzeit noch auf dem Hof Hulshoff in Oostgeldere /Zwolle in den angrenzenden Niederlanden. Das Erbe Wissink / Hulshoff wird bereits 1501 erstmalig erwähnt. Als in nachreformatorischer Zeit den Katholiken in den Niederlanden die Ausübung ihres Glaubens verboten war, besuchten viele Gläubige wenn möglich Kirchen auf der deutschen Seite der Grenze. Daneben suchte man sich Möglichkeiten heimlich Gottesdienste zu halten und fand sie in diversen Verstecken. So auch auf dem Dachboden des Hofes Wissink, wovon noch heute der ungewöhnliche Altarschrank Zeugnis ablegt.

Nicht ohne Risiko
Wurden die Geistlichen dabei ertappt und gefangen, so wurden sie mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe belegt. In diesem Fall waren es die Patres des benachbarten Klosters Zwillbrock, die das Risiko eingingen, hier die Messen zu feiern. Drohte Gefahr, so wurde der Schrank zugeklappt und jeder schlich die Treppen hinunter, um im Dunkeln der Nacht zu verschwinden.  Dem Geistlichen wurde ein sicheres Obdach gewährt.

Für die Abhaltung dieser Gottesdienste war eine päpstliche Genehmigung erforderlich, die ebenfalls auf dem Hof Hulshoff noch vorhanden ist.

Dem Interesse der Familie Hulshoff sei Dank!
Dem großen Interesse der Familie Hulshoff an der Geschichte ihres Hofes und dem damit verbundenen kulturellen Erbe ist es zu verdanken, dass dieses einmalige Stück „Grenzgeschichte“ aus der Fluchtkirche auf dem Hof Wissink im kommenden Jahr Einzug in den Neubau des Kulturhistorischen Zentrums halten wird.

Dr. Annette Menke freut sich darüber ein so bedeutendes Exponat in die neue Dauerausstellung einbringen zu können.

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